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Zusammenfassung: Von globalen Ungleichheiten zu einer humanen Welt

1. Wissenschaft und öffentliches Vertrauen

Ein Diskurs für Gesellschaft, Ökologie und Ökonomie

Das Aufkommen des Modernismus: Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert ersetzte eine „Neue Wissenschaft“ die aristotelische Metaphysik: Der traditionelle Lernprozess, der auf kommentierenden Autoritäten basierte, wurde immer mehr von wissenschaftlichen Beobachtungen und Experimenten dominiert. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich diese neue Wissenschaft sowohl von mystischen Praktiken als auch von der Philosophie [Idealismus] und deren monopolistischem Anspruch entfernt. Die Wissenschaft verlor ihre kontemplativen Aspekte und wurde zu einem blossen Beruf (Max Weber). Dieser Entwicklung verdanken wir gute Elemente wie die moderne und liberale Demokratie. Es ergaben sich aber auch weitreichende negative Implikationen im sozialen und kulturellen Bereich. Die Wissenschaft usurpierte viele Bereiche des Lebens, in denen sie nicht zuständig sein konnte, es entwickelte sich der Szientismus. Prä-industrielle und religiöse Traditionen wurden bedeutend schwächer. In diesem neuen Vakuum glaubte man fälschlich, die Wissenschaft könnte eine kulturelle Orientierung schaffen. Der weit verbreitete Sinnverlust, das Monopol der wissenschaftlichen und unpersönlichen „es“-Sprache wurde vorherrschend.

„Wissenschaft und Technologie“ wurde zur neuen Struktur für Aktion und Interaktion, deren Erfolge unwidersprochen blieben, sei es während der industriellen Revolution oder im materiellen Überfluss der westlichen Nachkriegswelt. Diese Erfahrungen stärkten den optimistischen Fortschrittsglauben, der heute noch eine wichtige Rolle spielt, der jedoch mit sozialen und kulturellen Aspekten bereichert werden sollte.

Der aufkommende Post-Modernismus: Der Konsens über den unwidersprochenen Glauben an den reinen technologischen Fortschritt begann in den 70er Jahren zu wanken. Werte und kulturelle Perspektiven der industriellen Welt begannen sich zu ändern. Der Trend zur individuellen Entwicklung und Kreativität wuchs gleichzeitig mit neuen Erkenntnissen über negative ökologische Tendenzen, einschliesslich katastrophaler Ereignisse, die durch moderne Technologie verursacht werden.

Ein wachsender kultureller Dissens über die Evaluation von Wissenschaft, Technologie und Ökonomie verlangte nach besserer Verständigung zwischen den wichtigen und positiv gesinnten Akteuren. Die neu aufkommenden Konzepte zum Wachstumsstopp [Club of Rome 1973] basierten auf einer neuen Perzeption ökologischer Zwänge. Die Zerstörung der Natur wurde als Folge unkontrollierter Entwicklung von Wissenschaft und Technologie wahrgenommen. Aus dieser Perspektive müssen Wissenschaft und Technologie eine neue Legitimation suchen. Das ist der Hintergrund für eine neu entwickelte kritische Zivilgesellschaft, die klein angefangen und sich zu professionellen NGOs entwickelt hat.

Die neue partizipative „wir“-Sprache ist am Entstehen, und zwar bei Lösungsprozessen Schritt für Schritt im konkreten Fall. Sie wird uns von der rein egoistischen Sichtweise abbringen und auch zur Herausforderung für die unpersönliche „es“-Sprache der Wissenschaft werden. Beide Sprachen müssen ohne Herabsetzung der anderen miteinander versöhnt werden.

2. Der Ruf nach besserer Verständigung durch Partizipation

Die Entfremdung vieler Menschen von der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung ruft nach einer erhöhten Partizipation. Gleichzeitig werden wichtige Aktivitäten vermehrt auf internationaler anstatt auf nationaler Ebene ausgehandelt und entschieden. Dies bewirkt, dass traditionelle Instrumente der demokratischen Institutionen [z.B. ein nationales Parlament] nicht mehr ausreichen. Es ist unklar, wie der Graben zwischen globalen technologischen sowie ökonomischen Entwicklungen und lokalen Mechanismen unter demokratischer Kontrolle mit politischen Mitteln geschlossen werden kann. Offenbar müssen neue politische und wirtschaftliche Instrumente und Aktionen geschaffen werden, damit der Austausch zwischen den verschiedenen Ebenen, wo politisch-technologische Entscheide vor dem Hintergrund ökologischer und ökonomischer Zwänge fallen, stattfinden können.

Dies ist ein substanzielles Problem der Zukunft, das auch für die grundsätzlichen Strukturen der Demokratie relevant ist. Mit einem Ruf nach mehr Partizipation [im Sinne der Beteiligung am Entscheidungsprozess im Bereich der Technologie] können viele Menschen hoffen, zumindest teilweise eine gewisse Kontrolle über die Politik zurückzugewinnen, die Wissenschaft und Technologie regelt. Andererseits verhindern sehr konkrete und pragmatische soziale und wirtschaftliche Entwicklungen eine nachhaltige Partizipation in den relevanten Bereichen neuer Technologien wie zum Beispiel Biotechnologie. In dieser Situation brauchen wir grundsätzlich neue Ansätze für politische und soziale Strukturen, welche der aktuellen Situation ein neues Verständnis entgegenbringen.

3. Auf der Suche nach gemeinsamen Zielen unter Opponenten

Das Beispiel des geistigen Eigentums

Unsere jetzige Gesellschaft ist von zunehmender Globalisierung und ebenso von der wachsenden Bedeutung der wissenschaftlich-technischen Information - und auch von der Möglichkeit diese zu erlangen und zu produzieren – geprägt. Entwicklungsländer erheben durchaus legitime Ansprüche auf den Transfer von traditionellem sozialen Wissen und wissenschaftlich-technologischer Information.

Dies stellt die Frage nach Möglichkeiten, wie auseinanderklaffende Gruppen gegenseitig traditionelles soziales Wissen und wissenschaftlich-technologische Information in gerechter Weise nachhaltig teilen können. In der westlichen Welt wurde ein juristischer Rahmen für Rechte am geistigen Eigentum (Intellectual Property Rights, IPR's) ausgearbeitet, der ein vielschichtiges Feld wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und religiöser Dimensionen abstecken muss.

Es ist offensichtlich, dass zukünftig die diesbezüglichen neuen gesetzlichen Regelungen auch fähig sein müssen, jene Informationen zu schützen, die durch technologische und wissenschaftliche Methoden entstehen, dies ohne dabei das traditionelle, soziale Wissen zu diskriminieren. Gleichzeitig ist zu fordern, dass die neuen Regelungen es ermöglichen, Wissensaustausch zu pflegen zwischen Ländern verschiedener Traditionen und Technologien – wo auch immer neues Wissen gebraucht wird. Es ist auch wichtig einzusehen, dass die verschiedenen Wissensarten je nach Länder und Kultur sehr ungleich verteilt sind. Die Debatte ist offen, wie das erreicht werden könnte.

In dieser Vorkonferenz ist Verständnis dafür wichtig, dass das Planungswissen (das Wissen, wie etwas gestaltet werden sollte) den Weg und die Brücke unter Opponenten im Diskurs über Geistiges Eigentum darstellt. Dabei können die Teilnehmenden neue kreative Ideen einbringen. Wir freuen uns, einen Diskurs über Notwendigkeit und Grenzen zukünftiger Workshops zum Geistigen Eigentum zu gestalten. Es ist wichtig, die Motivationen der Hauptakteure dieser globalen Debatte respektvoll unter die Lupe zu nehmen, und es ist unabdingbar, alle interessierten Parteien einzuladen, die in ihrer professionellen Arbeit von eigenen Erfahrungen und Motivation angespornt sind.

Das detaillierte Programm kann auf dieser Website heruntergeladen werden.

Mit der Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 80, hoffen wir, eine informelle und intime Atmosphäre schaffen zu können, die Beziehungspflege und den offenen Austausch auf persönlicher Ebene zulässt. Im Zusammenspiel mit den Teilnehmern, der Stiftung Academia Engelberg und dem Kloster als Gastgeber, wird der neue internationale Beirat dabei eine vitale Rolle spielen.

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