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Die Themenübersicht 

Grundliegende Erkenntnisse der Wissenschaft treffen in der breiten Bevölkerung nicht selten auf starke Vorbehalte und Misstrauen. Die Academia Engelberg will ihren Beitrag daran leisten, dass durch einen Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit eine neue Basis des Vertrauens entsteht.

Das Jahr 2003 wird dem Thema „Pervasive Computing“, der schleichenden Durchdringung unseres Alltages mit Mikroprozessoren gewidmet. Der Datenaustausch wird dank Mikroprozessoren in Alltagsgegenständen immer komplexer und schwerer kontrollierbar. Technisch ist eine umfassende Informatisierung und Vernetzung bereits möglich. Doch, was hat dies für Auswirkungen auf die Gesellschaft? Diesem Fragenkomplex widmet sich die zweite Konferenz der Academia Engelberg vom 15. bis 17. Oktober 2003 in Engelberg, Schweiz.

1. Wissenschaft und öffentliches Vertrauen

Ein Diskurs für Gesellschaft, Ökologie und Ökonomie

Das Aufkommen des Modernismus: Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert ersetzte eine „Neue Wissenschaft“ die aristotelische Metaphysik: Der traditionelle Lernprozess, der auf kommentierenden Autoritäten basierte, wurde immer mehr von wissenschaftlichen Beobachtungen und Experimenten dominiert. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich diese neue Wissenschaft sowohl von mystischen Praktiken als auch von der Philosophie [Idealismus] und deren monopolistischem Anspruch entfernt. Die Wissenschaft verlor ihre kontemplativen Aspekte und wurde zu einem blossen Beruf (Max Weber). Dieser Entwicklung verdanken wir gute Elemente wie die moderne und liberale Demokratie. Es ergaben sich aber auch weitreichende negative Implikationen im sozialen und kulturellen Bereich. Die Wissenschaft usurpierte viele Bereiche des Lebens, in denen sie nicht zuständig sein konnte, es entwickelte sich der Szientismus. Prä-industrielle und religiöse Traditionen wurden bedeutend schwächer. In diesem neuen Vakuum glaubte man fälschlich, die Wissenschaft könnte eine kulturelle Orientierung schaffen. Der weit verbreitete Sinnverlust, das Monopol der wissenschaftlichen und unpersönlichen „es“-Sprache wurde vorherrschend.

„Wissenschaft und Technologie“ wurde zur neuen Struktur für Aktion und Interaktion, deren Erfolge unwidersprochen blieben, sei es während der industriellen Revolution oder im materiellen Überfluss der westlichen Nachkriegswelt. Diese Erfahrungen stärkten den optimistischen Fortschrittsglauben, der heute noch eine wichtige Rolle spielt, der jedoch mit sozialen und kulturellen Aspekten bereichert werden sollte.

Der aufkommende Post-Modernismus: Der Konsens über den unwidersprochenen Glauben an den reinen technologischen Fortschritt begann in den 70er Jahren zu wanken. Werte und kulturelle Perspektiven der industriellen Welt begannen sich zu ändern. Der Trend zur individuellen Entwicklung und Kreativität wuchs gleichzeitig mit neuen Erkenntnissen über negative ökologische Tendenzen, einschliesslich katastrophaler Ereignisse, die durch moderne Technologie verursacht werden.

Ein wachsender kultureller Dissens über die Evaluation von Wissenschaft, Technologie und Ökonomie verlangte nach besserer Verständigung zwischen den wichtigen und positiv gesinnten Akteuren. Die neu aufkommenden Konzepte zum Wachstumsstopp [Club of Rome 1973] basierten auf einer neuen Perzeption ökologischer Zwänge. Die Zerstörung der Natur wurde als Folge unkontrollierter Entwicklung von Wissenschaft und Technologie wahrgenommen. Aus dieser Perspektive müssen Wissenschaft und Technologie eine neue Legitimation suchen. Das ist der Hintergrund für eine neu entwickelte kritische Zivilgesellschaft, die klein angefangen und sich zu professionellen NGOs entwickelt hat.

2. Pervasive Computing – Leben in der Welt der unsichtbaren Chips

Der Datenaustausch wird dank Mikroprozessoren in Alltagsgegenständen immer komplexer und schwerer kontrollierbar. Technisch ist eine umfassende Informatisierung und Vernetzung bereits möglich. Doch, was hat dies für Auswirkungen auf die Gesellschaft?

Der Fokus liegt beim Global-Thema „Pervasive Computing“ nicht auf technischen Aspekten, viel mehr interessieren die Academia Engelberg die Auswirkungen auf gesellschaftliche, ethische, ökonomische und ökologische Entwicklungen. Der Begriff „Pervasive Computing“ oder auch "Ubiquitous Computing" wurde im Jahr 1988 geprägt. Damals war die Vision einer allgegenwärtigen Datenverarbeitung und intelligenten Gegenständen erstmals formuliert worden.

Es handelt sich um die Vorstellung von tausenden, kleinsten miteinander über Funk verbundenen Mikroprozessoren, die in Gegenstände des täglichen Gebrauchs eingebaut werden, ohne dass sie sichtbar sind. Mit Sensoren ausgestattet, können diese mikroskopisch kleinen Computer die Umwelt des Gegenstands, in den sie implantiert sind - mit dem sie gleichermassen zu einem einzigen Ding verschmolzen sind - erfassen. Dadurch erhalten die Gegenstände die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten und selbstständig zu kommunizieren. Sie erlangen eine neue Qualität; nämlich zu wissen, wo sie sich befinden, welche anderen Gegenstände in ihrer Nähe sind und was in der Vergangenheit mit ihnen geschah.

Allgegenwärtige Durchdringung

Ohne dass die Menschen es bemerken, durchdringen heute Mikropozessoren unseren Alltag immer stärker. Im Staubsauger, in Handys, in Digitalkameras in Aufzügen oder in Telekommunikationsgeräten sind bereits Mini-Computer eingebaut, die selbständig Informationen untereinander austauschen, ohne dass eine Anweisung des Menschen dazu notwendig ist. Allein im Auto sorgen bis zu 60 Computer dafür, dass die Benzin-Einspritzung tadellos funktioniert, der Airbag rechtzeitig losgeht, das Navigations-System dafür sorgt, dass die richtige Adresse gefunden wird. Beim Handy beispielsweise kann so der Standort des Besitzers jederzeit festgestellt werden. Doch da treten auch die Probleme von „Pervasive Computing“ zu Tage: Wo sind die Grenzen dieser allgegenwärtigen Durchdringung? Im Auto ist eine solche Unterstützung nützlich und sinnvoll, aber die Ortung des Handy-Standortes ist bereits Kontrolle und tangiert die Privatsphäre massiv.

Information vermitteln, Transparenz schaffen

Was technisch durchaus realisierbar erscheint, wird grosse ethische und rechtliche Folgen haben. Schwer abzuschätzen sind auch die Konsequenzen für das Sozialverhalten der einzelnen Menschen und die klassische Kommunikation zwischen ihnen - etwa über das Gespräch oder den schriftlichen Austausch. Diese Themen-Kreise will die Academia Engelberg mit ihrem internationalen Kongress im Oktober 2003 aufgreifen. Anhand des praktischen Entwicklungsfeldes werden wiederum rund 130 persönlich eingeladene VertreterInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Engelberg Ideen zu den Kernthemen Persönlichkeitsschutz,

Datensicherheit, gesellschaftliche Veränderungen aber auch die wirtschaftliche Andwendbarkeit austauschen. Ziel ist es in einem diskursiven Dialog mittels „Open Space Technology“ das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und Forderungen und Projekte zu entwickeln. Anhand von Einführungsreferaten, der Präsentation von konkreten Beispielen und Workshops fördert die Academia Engelberg den Dialog zu Thematiken der Zukunft, damit Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam Wege zu deren positiver Bewältigung finden.

3. Open Space Methode

Mitte der 80-er Jahre hat der Amerikaner Harrison Owen die „Open Space Technology“ entwickelt. Er war begeistert vom enormen Potential an progressiven Lösungsansätzen, die Dank dieser Organisationsform an Konferenzen resultierten. Und so funktionierts: Nach einem Einführungsreferat ins General-Thema – in unserem Falle „Pervasive Computing“ - sind die Konferenz-Teilnehmenden aufgerufen, Aspekte, die sie dazu speziell interessieren und die sie gerne mit Gleichgesinnten oder Opponenten diskutieren wollen, auf einer Pin-Wand zu hinterlegen. Im Anschluss an diese Phase folgt der „Marktplatz“: alle Teilnehmenden sind aufgerufen, sich zu für Workshops bei jenen Aspekten einzutragen, zu denen sie gerne einen konstruktiven Beitrag leisten wollen.

Open Workshops

Dank dieser offenen Form entstehen spontane Gruppen quer durch alle Wissenschaftsdisziplinen aber auch durchmischt mit Vertreter/innen aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Die Moderation übernimmt in der Regel die Person, die das Thema vorgeschlagen hat. Gemeinsam ist Allen das Interesse am entsprechenden Thema des Workshops. Diese Form bietet den Teilnehmenden Gelegenheit, neue Beziehungen zu knüpfen oder alte zu vertiefen. Dank der aktiven Rolle aller Teilnehmenden resultieren in diesen spontan zusammengesetzten Diskussionsrunden in der Regel fundierte Lösungsansätze.

Präsentation und Bewertung

Die Resultate werden schriftlich festgehalten aber auch im Plenum präsentiert. Es liegt dann an den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz, die Lösungsansätze zu bewerten und konkrete Projekte zur Weiterbearbeitung vorzuschlagen. Dank diesem interdisziplinären Vorgehen entstehen Projekte mit hohem Realisations-Potential, die von Allen getragen werden.  

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