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Montag, 9. Oktober 2006
Ein Blick auf die Energiequellen

In seiner Eröffnungsansprache umschrieb Dr. Klaus Hug, Präsident der Stiftung Academia Engelberg, den globalen Kampf um die Energiequellen der Zukunft, bei wachsendem Verbrauch und steigenden Versorgungsrisiken.

Abt Berchtold Müller illustrierte in seinem Grusswort an den Anstrengungen des Klosters nach dem Brand von 1729, wie mit unternehmerischem Geist und mit vorhandenen Ressourcen mutige Schritte in die Zukunft gemacht wurden. Er wünschte der Konferenz innovativen und haushälterischen Umgang mit begrenzten Ressourcen für eine nachhaltige Lebensqualität.
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Ulrik Stridbaek, International Energy Agency, Paris (IEA)

Ulrik Stridbaek stellte in einem World Energy Outlook die anstehenden Herausforderungen vor. Die Hauptfragen sind: gibt es genug Energie und welches ist die Wirkung von erneuerbaren Energien? Auslöser sind steigende Nachfrage, fehlende Investitionen und Raffineriekapazitäten sowie politische Spannungen. Der Transportsektor ist der grösste Erdölverbraucher. Die IEA rechnet mit einer Verdoppelung des Welterdölverbrauchs bis ins Jahr 2030. Es ist im Auge zu behalten, dass gesteigerte Nachfrage nach Öl auch den Gaspreis erhöhen wird.

Auf der Angebotsseite kommt heute ein Drittel des Erdöls aus den MENA-Ländern (Länder des Nahen Ostens und Nordafrika). Dieser Anteil wird sich bei sinkender Produktion in den OECD-Ländern bis 2030 auf fast die Hälfte erhöhen. 2030 werden die OECD-Länder zwei Drittel ihres Erdölimports aus den MENA-Ländern beziehen. Bis 2030 werden die OECD Länder ihre Erdgasimporte von 200 bcm im Jahre 2003 auf 500 bcm erhöhen. Hauptlieferanten sind Russland, Iran und Katar. Schiffe bringen verflüssigtes Gas nach Nordamerika, es wird vermehrt zur Elektrizitätsproduktion verwendet. Bis 2030 ist mehr als die Hälfte der stromproduzierenden Kapazität zu ersetzen.

Die zweite wichtige Herausforderung ist der Ausstoss von CO2. Im Jahre 2020 werden die Schwellenländer den Westen überholen, bis 2030 wird der Ausstoss von CO2 um 5 Prozent wachsen. Der G8 Gipfel von Gleneagles hat die IEA mit einem „World Alternative Scenario“ beauftragt. Zu analysieren sind Biotreibstoffe, erneuerbare Energien, Verbrauchssenkung generell sowie Senkung bei Erdöl und Erdgas um 10 Prozent, Atomenergie sowie der Ersatz von Kohle durch Erdgas, Effektivitätssteigerung in der Energie-Reduktion generell und das Thema Investitionen. Die Entwicklungsländer haben in die „richtigen“ Energieträger zu investieren. Die Ziele des Kyoto-Protokolls bleiben nicht erreichbar. Auch wenn rigorose Energiepolitik, technologischer Fortschritt, Energieträger wie Biomasse, stabilisierter CO2-Ausstoss und langsameres Nachfragewachstum zur Zielerreichung beitragen.
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Eberhard Jochem, Centre for Energy Policy and Economics, ETH Zurich and Fraunhofer Institute, Karlsruhe, Germany

In der Energie- und Umweltpolitik sind Konsumverhalten, Einsicht und Entscheidungsprozesse die grossen Herausforderungen. Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind die Antworten. Transport auf Strasse, in der Luft und auf See basiert zu 100 Prozent auf Erdöl. Niemand weiss, ob die Produktion den Zenith im Jahre 2020 oder 2030 überschreitet. Gewiss ist, dass zwei Drittel der Vorräte im Nahen Osten liegen, von bilateralen Verträgen und militärischen Interventionen bedroht.

Verbesserte Energieeffizienz ist ein wichtiges Ziel, verpufft doch 32 bis 34 Prozent nutzbarer Energie. Wichtige Massnahmen sind Passiv-Häuser, leichtere Fahrzeuge, optimierte Bremsen, Brennstoffzellen, Hochtemperatur-Turbinen, verbesserte Materialien, aber auch unternehmerische Innovationen wie Pooling und Sharing. Erneuerbare Energien verlangen hohe Investitionen, ein voller Marktdurchbruch ist erst in 50 bis 70 Jahren zu erwarten. Kernkraft macht 6.5 Prozent der Primärenergie aus, sie leidet an mangelnder Akzeptanz. Bei geringem Risiko sind aber grosse Maximalschäden zu kalkulieren. Teurer Versicherungsschutz und die Gefahr der Proliferation (Atomkraftwerke in „Schurkenstaaten“) sind einzubeziehen. Für die Nuklearfusion ist es wohl zu spät.

Allgemein geht das Umdenken langsam. Bei Investitionen wird gezögert, veraltete Technologien werden immer noch in Entwicklungsländer exportiert, der Energiemarkt wird liberalisiert, Geschäftsentscheide sind kurzfristig angelegt. Interdisziplinäre und kreative Ansätze, Orientierung an gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen sind zu fördern. Kooperation zwischen Ländern und Global Players ist zu intensivieren, Subventionen sind abzuschaffen, langfristige Ziele wie im Kyoto-Protokoll gefordert, sind anzustreben.
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Günther Strempel, BP Global Fuels Technology, Deutsche BP AG, Bochum, Germany

Herr Strempel hält fest, dass Öl für weitere 20 bis 30 Jahre Energieträger Nummer eins bleiben wird. 80 Prozent des Öls stammt aus Regionen mit staatlich kontrollierter Förderung. In Europa beschäftigt die Frage der Importabhängigkeit und der Zugangssicherheit. Seiner Ansicht nach steht der Höhepunkt der Ölforderung noch nicht bevor und es ist auch in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen. Bis 2030 werden China und Indien ihre Nachfrage verdoppeln. Fossile Brennstoffe bleiben in Ermangelung von Alternativen beherrschend. Die Europäische Union (EU) wird bis 2030 ihre Erdölimporte von 70 auf 90 Prozent erhöhen. Die USA werden bis 2025 ihre Importe von 56 auf 68 Prozent erhöhen.

Wichtig ist es, den Ausstoss an CO2 zu verringern. Im Jahre 2050 soll er nicht höher als heute sein, das Klima soll sich nicht um mehr als 2° C erwärmen. BP setzt sich für alternative Energien in den Bereichen Solar, Wind, Biomasse (Äthanol; Ester aus Rapsöl statt Diesel), Alkohole aus Fermentation, Hydrierung von Pflanzenölen und Fetten ein. BP hat auf dem Flughafen München eine erste Hydrogentankstelle für Busse eröffnet, eine weitere ist in Berlin geplant. In 140 Ländern bestehen nationale Projekte. Für 2007 ist in Deutschland die Eröffnung eines Energy Biosciences Institute (EBI) geplant.
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Aldo Steinfeld, Energy Science Center, ETH Zurich

Aldo Steinfeld zeigt das Potenzial von alternativen Energien auf. Dieses ist gross, aber meist mit beträchtlichen Investitionen verbunden. Windenergie onshore hat z.B. ein vierzigfaches Potenzial. Offshore ist dieses noch viel grösser, doch ist die Einspeisung ins Netz heraus-forderungsreich (Anbindung innerhalb von 20 km notwendig!). Windenergie ist beispielsweise in der Schweiz teuer. Auch die Hydroenergie hat noch Potenzial. Geothermische Energie hat ein unausgeschöpftes Potenzial, ihre Nutzung ist aber mit grossem Aufwand verbunden. Konzentrierte Sonnenenergie (z.B. Parabolspiegel in Kombination mit Dampfturbinen) wird etwa in Kaliforniern und Spanien zur Energiegewinnung eingesetzt. Doch sind Hindernisse zu überwinden, etwa in ungleichmässiger Energiemenge und Distanzen zwischen Produktions- und Verbrauchsort. Die Forschung strebt nach grösserer Effizienz, zum Beispiel mit solar-chemischen Brennstoffen (H2).
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Thomas Nussbaumer, Verenum, Zurich

Thomas Nussbaumer sieht in Bioenergie smarte und effiziente Energie. Nachhaltigkeit muss sich an Rückständen/Nebenprodukten, Regeneration, Verschmutzung, Wirkungsgrad, Kosten und Konflikten mit der Nahrungsmittelproduktion usw. messen. Für die Gewinnungstechnik, Fermentation oder Verbrennung, ist der Wassergehalt entscheidend. Lokale Vegetation be-stimmt das Potenzial. Für Biomasse gibt es noch kein Zertifizierungssystem.

Als Beispiel: Vollständige Verbrennung von Biomasse, etwa Holzpellets, ist das Ziel. Sie verursacht fünf Mal weniger Schadstoffe als Diesel. Die Energieträger sind verschiedener Qualität (Jauche versus Pellets), sie können auch in Kombination mit anderen Stoffen verar-beitet werden, z.B. mit Kohle verbrannt werden. Gasifizierung und Äthanolproduktion sind weitere Möglichkeiten.
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Bernhard Fischer, E.On Energy AG, Munich, Germany

Im Europäischen Raum bauen oder planen acht Länder neue Kernkraftwerke, während vier Länder in der Auslaufsphase sind, darunter die Bundesrepublik Deutschland. Auf der positiven Seite liefert Kernkraft zuverlässig, billige Energie ohne den Ausstoss von CO2, auf der anderen Seite sind Entsorgung, Strahlung und Terrorismusgefahr erschwerende Faktoren.

Wie ist die Kapazität von Kernenergie zu ersetzen, wenn ihre Nutzung infolge mangelnder Akzep-tanz ausläuft? Wegen fehlender Alternativen ist wohl mit der verlängerten Nutzung bestehender Anlagen zu rechnen. Die Endlagerung von nuklearen Abfällen bleibt das (politische) Hauptproblem in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Auf lange Sicht bleibt Kernfusion eine Vision.
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