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Mittwoch, 11. Oktober 2006 Podiumsgespräch mit Ernst von Weizsäcker, Paola Ghillani, Dieter Imboden Ernst von Weizsäcker betont, dass globale Märkte globalen Regeln gehorchen müssen. Freiwillige Initiativen genügen nicht, staatliche und internationale Regelungen sind notwendig. Eine CO2–Abgabe (Vorschlag Bundesrat Leuenberger, Schweiz) käme den Entwicklungslän-dern entgegen. Die Wissenschaft hat einen wichtigen Beitrag zu leisten. Sie muss die wichtigen Probleme identifizieren, angehen und zu deren Lösung beitragen. Mehrere Referenten sehen Information, Bildung, Wissenschaft und NGOs als wichtige Faktoren. Grundübel müssen angegangen werden. Die Medien können einen wichtigen Beitrag zum Gelingen von Initiativen leisten. Als Beispiel nennt Paola Ghillani das Bananenprojekt von Max Havelaar. Ernst von Weizsäcker bedauert aber den Trend zum Infotainment. Kurt Spillmann hält fest, dass die Klimaveränderung als dringendes Problem immer noch nicht erfasst ist. Schon eine Klimaerwärmung um 10 C hat drastische Auswirkungen. Er plädiert für ein kooperatives Vorgehen. Für Dieter Imboden ist die Unterscheidung in Bekehrte und Nicht-Bekehrte zu einfach. Es ist für alle noch ein weiter Weg zu gehen, auch an einer Konferenz wie dieser, ist der Jugend mehr Gewicht und Interaktion mit dem Establishment zu geben. Jacqueline Coté, World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), Geneva Das WBCSD mit Sekretariat in Genf bietet eine Austauschplattform mit regionalen Netzwerken für 190 führende multinationale Unternehmen verschiedener Sektoren an. Der Rat entscheidet Geschäfte in Einstimmigkeit. Nachhaltigkeit bestimmt die Themenkreise Globalisierung, China/Indien, Klima und Energie. Wie ein Unternehmen mit den Herausforderungen der Nachhaltigkeit umgeht, wirkt auf seine Stakeholders. Verschiedene Publikationen zeigen der Business Community Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten. Was ist die Rolle der Unternehmenswelt, wie weit kann sie gehen, was kann sie zur Verbreitung der Botschaft tun? Wie lauten Business Agenda und Public Policy Agenda (Handelsregeln, Wasser, Infrastruk-tur/Service Public, Entwicklung, Armut, Menschenrechte)? Neben Forschung und Analysen sind auch Instrumente und Vorgehensweisen beschrieben: Reduzierung des Energieaufwandes (primär, sekundär, Gebäude), Reduzierung des CO2-Ausstosses, Solarenergie, Konsumenten-verhalten, Rolle der Märkte usw.. Die Klärung wichtiger Fragen bedarf der Zusammenarbeit der Stakeholders. Sind die Governance Systeme für die Herausforderungen gewappnet? Ist der politische Wille für Veränderungen vorhanden? Jacqueline Coté betont, dass Regierungen und Unternehmenswelt eine stärkere Führungsrolle übernehmen müssen. Politiker, Wirtschafts-Vertreter und die Gesellschaft müssen gemeinsame Anstrengungen unternehmen. Die Forschung muss aufzeigen, welche Technologien bis 2050 für die Energieeffizienz eingesetzt werden können. Ernst von Weizsäcker, Donald Bren School for Environmental Science Ernst von Weizsäcker sieht die Rolle von Forschung, Entwicklung und Wissenschaft im Wandel. Wissenschaft, die in der Geschäftswelt und in der Gesellschaft verankert ist, ist stärker. Wichtig ist es, Dinosaurier-Technologien verschwinden zu lassen. Für die Schweiz sieht er Chancen, da sie weniger auf energiehungrige Wirtschaftszweige ausgerichtet ist. Mittels einiger Fotoprojektionen und Beispiele (Hawaii, Golfstrom, Grönland) demonstriert er die Auswirkungen der Klimaerwärmung. Er betont die Nicht-Linearität der Klimaveränderungen und schliesst: „Die Flut kann jederzeit kommen“. In den USA ist die Hälfte der Bevölkerung (immer noch) überzeugt, dass Klimawandel kein Thema ist. 99 Prozent der Wissenschaftler haben das Problem erkannt. Bei der Information klemmt es. Wissenschaft, Politik, NGOs und Medien müssen ein neues Bewusstsein schaffen. Die Wissenschaft muss auch auf die Entwicklung praktischer, nützlicher Erzeugnisse zielen. Die Wissenschaft muss sich mit der Unternehmenswelt zusammentun, um Lösungen für Her-ausforderungen zu finden. Oft geht die Industrie erst ein Problem an, wenn sie ein Produkt bereit hat, mit dem ein Geschäft zu machen ist. Das FCKW-Problem (Kühlschränke) wurde erst ernsthaft angegangen, als DuPont einen Ersatzstoff entwickelt hatte. Dasselbe war bei der Penicillin-Resistenz festzustellen. Problemkreise, die unter anderem anzugehen sind: Beleuchtungsmittel, Transporte bei der Nahrungsmittelherstellung/-verteilung, intensive Landwirtschaft, Streusiedlungen/dichte Besiedlung. Er bedauert, dass es bisher noch keinen Nobelpreis für Ökologie gibt. Allerdings richtet die finnische Regierung einen „Millennium Ecology Prize“ aus. Borge Brende, 2 Milliarden Menschen leben (und arbeiten) ohne Elektrizität. Ohne Energie gibt es keine Ent-wicklung. Klimawandel wirkt sich auch auf die am wenigsten entwickelten Länder aus. Er betrifft nicht nur die Umwelt, sondern richtet auch sozialen und ökonomischen Schaden an, zum Beispiel im Gesundheitsbereich, in der Nahrungsmittelprodukion, im Besonderen in der Fischerei. Im Jahre 2030 wird die Energienachfrage in den Entwicklungsländern jene im Westen übertreffen. In den nächsten zwanzig Jahren wird der Energieverbrauch um 60 Prozent zunehmen. Ziel muss es sein, den höheren Energiebedarf nachhaltig, ohne Umweltschäden zu decken. Dazu sind Neuerungen und grosse Investitionen notwendig. Nicht-Handeln ist kostspieliger. Noch fehlt es an Anreiz, Finanzierung, Transparenz und Wettbewerb. Von der Kohle und deren Subvention durch die EU ist wegzukommen. So haben einzelne Regionen Chinas den Ausstoss von CO2 durch den Gebrauch von Erdgas statt Kohle reduziert. Kernenergie spielt weiterhin eine Rolle, Erdgas eine zunehmende, Biomasse muss für den Strassentransport die notwendige Energie liefern. Wege sind zu finden, wie bei höherem Energieverbrauch weniger CO2 produziert wird. Der Erdölexporteur Norwegen deckt 99 Prozent seines Energiebedarfs durch erneuerbare Energien. Eine „Revolution“ und Investitionen in erneuerbare Energien sind notwendig. Nicht-nachhaltige Verhaltensweisen sind zu ändern. In der Folge des Gipfels von Johannesburg ist die Zusammenarbeit zwischen privatem und staatlichem Sektor zu intensivieren. Ein stärkeres multilaterales System muss die Massnahmen des Kyoto-Protokolls begleiten. Schlusswort, Klaus Hug, In seinem Schlusswort betont Klaus Hug die Notwendigkeit des individuellen Engagements für eine nachhaltige Veränderung. Beispiel und Hoffnung besteht, wie aktuell mit dem Film „An Inconvenient Truth“ von Al Gore und Initiativen des kalifornischen Gouverneurs Schwarze-negger. Indes ist auf das politische Establishment kein Verlass. Es braucht die Erkenntnis, dass wir alle persönlich etwas dazu beitragen müssen. |