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10. bis 12. Oktober 2007

Sechster Wissenschafts Dialog: Wasser - ein öffentliches oder privates Gut?

Wasser weist alle Eigenschaften eines Wirtschaftsguts auf - zumindest in Regionen mit ausreichender Versorgung. Gleichzeitig ist die Vorstellung von Wasser von einem Mythos umgeben, angefangen bei der Sintflut und der Arche Noah. Während der Konferenz werden wir uns in unseren Diskussionen vor allem mit den wirtschaftlichen Aspekten des Wasserverbrauchs zur Verwendung durch den Menschen beschäftigen. Dazu gehören Gewinnung, Aufbereitung, Transport, Verteilnetze, Abwassersysteme und Kläranlagen. Alle oder ein Teil dieser Tätigkeiten können entweder von privaten oder von staatlichen Unternehmen ausgeführt werden. Welches System bietet hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und Qualität zu einem vernünftigen Preis? Genauso wie bei der Stromversorgung und den Transportdienstleistungen hat auch rund um das Wasser die Globalisierungs- und Privatisierungsdebatte angefangen.

Da Wasser jedoch sehr wichtig für unser tägliches Leben und Dasein ist, führen die wirtschaftlichen Aspekte allein nicht zu einer allgemein vereinbarten und akzeptierten Politik über das Erbringen von wasserbezogenen Dienstleistungen. Die Bewässerung wird beispielsweise häufig aus politischen Gründen stark subventioniert, was negative Nebenwirkungen wie Raubbau am Grundwasser und Preisverzerrungen bei Landwirtschaftsprodukten zur Folge hat. In zahlreichen Regionen in Meeresnähe hat dies die Versalzung der Böden verursacht und das Grundwasser somit zum Trinken oder Bewässern unbrauchbar gemacht. Wie nachhaltig sind einige unserer Methoden zur Wassergewinnung und bietet die Technologie Alternativen zur gegenwärtigen Wasserversorgung?

Wie bereits bei früheren Konferenzen werden junge Wissenschafter eine Veranstaltung vorbereiten und ihre Erkenntnisse über die Zukunft der Wasserversorgung in ihrem jeweiligen Herkunftsland präsentieren. Sie werden zudem auch einen Projektvorschlag für Folgeaktivitäten im Rahmen der Academia Engelberg vorstellen.

Wir freuen uns auf interessante und anregende Präsentationen und Diskussionen.

Das ausführliche Programm als PDF

Das Programm in Kürze

Mittwoch, 10. Oktober 2007 

Prof. Gerd Folkers, Leiter des Collegium Helveticum

?That excuse won't hold water" (Dt.: Diese Ausrede wird kein Wasser aufhalten) sagen die Engländer, wenn sie Ihren Grund für das späte Escheinen nicht annehmen. Dieses sprachliche Beispiel ist ein Beweis dafür, wie unterschiedlich das Wort ?Wasser" verwendet wird. Unsere tägliche Abhängigkeit vom Wasser, aber auch die Gefahr, die es darstellt, hat die Sprache stark beeinflusst und widerspiegelt daher unsere Gewohnheiten gegenüber Wasser. Das Verständnis für Wasser und die Handhabung davon scheint uns offenbar unbewusst zu begleiten. Mit ?fresh-water" (Dt.: Frischwasser oder Süßwasser) wird im Englischen sowohl Reinheit oder Klarheit, als auch Naivität oder Unerfahrenheit ausgedrückt. Hochwasser hingegen ist immer etwas Schlimmes; Ac qua Alta - Hochwasser überflutet in Venedig den Markusplatz; ?hell or high-water" (wörtlich: Hölle oder Hochwasser; auf Teufel komm raus) sind im Englischen die Alternativen in einer kritischen Situation.

Während Wasser im Sprachgebrauch vor allem mit dem kulturellen Hintergrund in Verbindung steht, ist es in der Wissenschaft ein faszinierendes Gebiet für die Forscher in aller Welt. Aus dem Versuch, die physikochemischen Eigenschaften von Wasser, die einer einfachen molekularen Struktur entsprechen, zu erforschen, wurde eine anspruchsvolle Aufgabe. HOH wird eher über seine Verbindungen als über seine Formel definiert. Da Wasser komplexe dynamische Verbindungen aufbauen kann und versucht alle möglichen Flächen zu beeinflussen, ist es zum meist gehassten Laborelement in denjenigen Bereichen geworden, wo das Risiko von Korrosion, Oxidation oder Hydrolyse etc. besteht. Viele biochemische Reaktionen in unseren Zellen müssen Wasser ausschließen oder nur ein Wassermolekül verwenden, um ihren geeigneten Zustand zu erreichen. Die Evolution hat beim Aufbau von komplexen Proteinstrukturen ihr Bestes gegeben, um diese Aufgaben zu erfüllen.

Weiter kann Wasser dank diesen besonderen Eigenschaften reinigen, auflösen, Strom und Schall leiten, das eigene Bild spiegeln, genauso wie dies Narziss erfahren hat und sich in sein eigenes Spiegelbild in der Quelle verliebt hat. All dies hat zu Ritualen rund ums Wasser geführt. Der Vortrag wird viele dieser Aspekte des Wassers umfassen und einen interdisziplinären Dialog fördern.

Prof. Wolfgang Kinzelbach, Institut für Umweltingenieurwissenschaften 

Seine Einführungspräsentation bietet einen Überblick über verschiedene Aspekte des Wassers. Wie viel Wasser ist verfügbar, wie viel Wasser wird gebraucht, Regionen mit Wasserproblemen (Menge, Qualität, Saisonabhängigkeit). Regionen mit nicht nachhaltigem Wasserverbrauch werden aufgezeigt (Grundwasser).

Janet Hering, EAWAG 

Wie kann Wasser für den menschlichen Gebrauch erschlossen, gesammelt, aufbereitet und verteilt werden? Wie wird Abwasser behandelt? Und wie erfolgen alle diese Prozesse tatsächlich? Notwendiger Energieaufwand und Infrastruktur und entsprechende Kosten für einen Kubik Wasser mit verschiedenen Produktionstechnologien (inkl. Entsalzung).

Bernard Barraqué, CNRS 

Die Präsentation ermöglicht, Wirtschaft, Kosten und Preise sowie die Wertschätzung des Wassers zu verstehen. Sie liefert auch eine Antwort auf die Frage, welche sozialen und kulturellen Einflüsse auf den Wasserverbrauch der Menschen einwirken. Wie können diese erfolgreich geändert werden?

Workshops 

Die vorangehenden Präsentationen dienen als Input für die darauffolgenden Workshops

Eröffnungsabend (auf Deutsch) mit einer Einführung von Barbara Bleisch und Stefan Fischer 

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Fabio Mauricio Segura, Projektmanager 

Projektaktualisierung - Projekt Stopp der Abholzung

Zukunft des Wassers - Teilnehmende des Youth Encounter on Sustainability 

Die Präsentation behandelt die Verfügbarkeit von Wasser für den menschlichen Gebrauch in den ausgewählten Ländern in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft.

Es präsentieren

1. Australien: Alexander Marks/Christopher Hedemann
2. Egypt: Sarah Youssef / Sara El-Sayed
3. South Africa: Jess Schulschenk/Kathryn Lannas
4. Bolivia: Carla Gomez / Georgina Catacora

Die anschliessenden Workshops werden ebenfalls von diesen jungen Wissenschaftern geleitet. 

Arbeitsgruppen 

Was muss sich ändern und wie können wir dies ermöglichen?

Jack Moss, AquaFed 

Sichtweise privater Wasserversorger, die die Privatisierung der Dienstleistungen rund ums Wasser vertreten und Gründe dafür haben. Erfolge und Engpässe mit den unterschiedlichen Dienstleistungen in der Praxis bis zum heutigen Zeitpunkt.

Manuel Ramon Llamas 

Spanien hat verschiedene Probleme mit Wasser (Knappheit, Qualität, Versalzung). Die Regierung subventioniert die Dienstleistungen rund ums Wasser massiv, insbesondere in der Landwirtschaft. Diese Präsentation hat zum Ziel, die Teilnehmer bezüglich der Intervention des Staates in die Wasserversorgung zu sensibilisieren (Kosten sind viel höher als verlangte Preise). Spanien weist schon seit langem ein gutes Wassermanagement auf (beispielsweise in Valencia). Die Gewässer in Küstenregionen und einigen Inseln sind aufgrund von nicht nachhaltiger Verwendung des Grundwassers versalzt.

Kurt Rüegg, ewl 

Gründe, warum die Wasserversorgung staatlich sein sollte.

Podiumsdiskussion

Freitag, 12. Oktober 2007

Christian P. Frutiger, Nestlé S.A. 

Herausforderungen für die Zivilgesellschaft widerspiegeln sich in der Planung und dem Verhalten der Wirtschaft. Wie rüstet sich ein Unternehmen, das von landwirtschaftlichen Erzeugnissen abhängig ist, für die nächsten Jahrzehnte?

Prof. Thomas Bernauer, Zentrum für Vergleichende und Internationale Studien 

Können Probleme in einem Wassereinzugsgebiet entstehen, falls Wasserressourcen flussaufwärts genutzt werden und Flussanwohnern, die flussabwärts wohnen, so das Wasser entzogen wird? Wo sind Konflikte am ehesten zu erwarten? Varianten, wie Wassermanagement als strategische Waffe verwendet wird.

Mark W. Rosegrant, International Food Policy Research Institute 

Kann etwas von der Vergangenheit gelernt werden? Welche Bereiche müssen wie angegangen und geändert werden? Verfügt die Erde über genügend Wasser für den menschlichen Gebrauch? Wie kann ein nachhaltiger Wasserverbrauch erreicht werden? Beeinflusst der Klimawechsel Niederschläge und Wasserverfügbarkeit?

Abschliessende Bemerkungen und Ausblick

Seit 2004 wird die jährliche Konferenz klimaneutral veranstaltet. PDF
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