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7. Wissenschafts Dialog erfolgreich abgeschlossen „Regieren bedeutet voraussehen“ „Wie die aktuelle Finanzkrise zeigt, haben wir zu viel Freiheit gewährt. Nun müssen wir die Überwachung verstärken und die Fehler im System ausmerzen. Dazu braucht es nicht mehr, sondern bessere und angepasste Regeln“ meinte Bundesrätin Doris Leuthard zum Abschluss der Konferenz in Engelberg. „Wachstum hat eine euforisierende Wirkung. Die Konsequenzen im Finanzmarkt waren exzessive Boni, risikoreiche Spekulationen in Aktien, Derivate und Immobilien. Wachstum kann aber auch Angst machen. In rasch wachsenden Märkten wird die Schere zwischen Reich und Arm grösser. Es kann Auslöser für die Verdrängung von KMU’s durch globale Unternehmen sein“ meinte sie weiter. „Um der wachsenden Unsicherheit zu begegnen, lancierte die Landesregierung bereits 2004 Impulspro-gramme und erliess Regulatorien. Nachhaltige Massnahmen sind aber nicht von heute auf morgen möglich. Wir dürfen nicht länger nur einzelne Sektoren betrachten und reaktiv agieren, sondern müssen zu einer interdisziplinären und departementsübergreifenden Denkweise finden.“ Sie forderte ein wirtschaftliches Programm, das Beschäftigung und einen hohen Lebensstandard garantiert. Auf die Frage eines Teil-nehmers ob die gestern beschlossenen Massnahmen genügen, meinte sie: „Der Markt hört nicht an der Schweizer Grenze auf!“ Aus ihrer Sicht brauche es international ein koordiniertes Vorgehen zur Erreichung neuer Regeln für den globalen Finanzmarkt. Obelix und die Finanzkrise Werner H. Peyer, Global Wealth Management & Business Banking, der UBS Zürich zeigte anhand der beliebten Komikfigur die Ursachen der aktuellen Finanzkrise auf. Tiefe Zinsen und leicht erhältliche Kredite, eine enorme Preishausse bei Immobilien - von 1994 bis 2008 über 225 Prozent - heizten den Markt auf. Der abrupte Nachfrageeinbruch liess die Blase dieses Jahr platzen.“ Die vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen achtete er als wichtig zur Rückgewinnung des Vertrauens. Indirekt sei es auch ein Schritt zur Erhaltung der Kreditfähigkeit insbesondere für KMU, was auch Arbeitsplätze sichere. Auf die Frage eines Teilnehmers nach den weiteren Risiken, meinte er: „Eine Bank zu betreiben heisst Geld ausleihen und das ist immer mit Risiko verbunden.“ Energiefressende moderne Dinosaurier „Eigentlich ist es unglaublich, dass die Verantwortlichen nicht früher gehandelt haben. Alle haben gewusst, dass es nicht jährlich dreissig prozentige Zuwachsraten geben kann. Aber niemand wagte diese Entwicklung anzuzweifeln. Wir sind sehenden Auges in die Krise gerannt“ meinte Professor Ernst von Weizsäcker zur aktuellen Finanzkrise. Er rief in Erinnerung, dass es aber noch andere Probleme gebe, die dringend angepackt werden müssten wie den Klimawandel, die Überbevölkerung, neue Epidemien, die Bio- und Nanotechnologien (und deren Auswirkungen) sowie der Umgang mit neuen Grossmächten wie Indien und China. Besondere Sorge bereitet ihm der hemmungslose Umgang der Amerikaner mit fossilen Energien. „Die Regierung setzte in den 90-er Jahren bewusst die Benzinpreise tief an, was die Mobilität erheblich erhöhte. Daraufhin wurden riesige Landflächen weit ausserhalb der Städte bebaut. Die Folge: Die Bewohner hatten plötzlich doppelt so lange Arbeitswege. Dieser Effekt kreierte moderne Dinosaurier – die Offroader. Um die eigenen Ressourcen zu schonen wird in Südamerika aus Mais oder Soja Bioethanol hergestellt. Dadurch haben sich die Maispreise in Mexico verdoppelt. Verlierer sind einmal mehr die ärmsten Bevölkerungsschichten.“ Energie und Wachstum „Es ist unbestritten, dass sich die Energiereserven dem Ende zuneigen. Wir können nicht damit rechnen, dass neue Energieformen deren Platz in derselben Grössenordnung einnehmen“ präsentierte Professor Lucas Bretschger, vom Center of Economics and Research der ETH Zürich, seine Untersuchung. „Deshalb ist es wichtig, dass wir die Entwicklung zu einer Gesellschaft, die weniger Energie verbraucht, sorgfältig begleiten. Unser Energiekonsum muss gedrosselt werden, insbesondere derje-nige, der die Umwelt verschmutzt. Technologische Innovationen sind wirtschaftlich attraktiv und kurbeln das Wachstum an“ meinte er weiter. Er plädierte dafür, dass die Forschung in diesem Bereich durch die reichen Länder auch mit den Entwicklungsländern geteilt werde. Aktion nicht Reflexion ist ein Gebot der Stunde „Die Themenwahl hat mehr Aktualität erhalten, als uns allen lieb war. Die vergangenen drei Tage haben uns gezeigt, dass wirtschaftliches Wachstum nicht alle Probleme dieser Welt lösen kann. Schon die Griechen sprachen vom richtigen Mass. Als Konsequenz aus den Referaten, Plenumsdiskussionen und Workshops rufe ich Sie dazu auf „just do it“. Wir müssen mit unserem Handeln nicht auf Nachbarn schauen, auf Aktionen der Politik oder der Regierung, auf Erkenntnisse der Wissenschaft oder die Hilfe der Uno warten. Lasst uns bei uns selbst beginnen!“ meinte zum Abschluss der Tagung der Präsident des Stiftungsrats der Academia Engelberg, Dr. Klaus Hug. Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben drei Tage lang intensiv diskutiert. Bemerkenswert: Mehr als ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind junge Wissenschafter aus aller Welt, die diese einzigartige Plattform für ihre Projektvorstellungen und für Kontakte mit anderen Wissenschaftern nutzen. Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft Die grundlegenden Erkenntnisse der Wissenschaft treffen in der breiten Bevölkerung nicht selten auf starke Vorbehalte und Misstrauen. Die Academia Engelberg leistet mit dem interdisziplinären Dialog ihren Beitrag dazu, dass eine neue Basis des Vertrauens zwischen Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit entsteht. Dazu treffen sich jährlich im Herbst Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft in Engelberg, Schweiz. |