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Academia Engelberg: Öffentlicher Abend

Rückbesinnung ist angesagt!

„Zukunft ist die Zeit, in der Du bereust, dass Du das, was Du heute tun kannst, nicht getan hast“ mahnte Dr. Dominik Galliker zum Abschluss seiner Einführung in den öffentlichen Abend der Academia Engelberg vom vergangenen Mittwoch vor 180 Zuhörerinnen und Zuhörern aus der Region.

„Wir streben ein qualitatives Wachstum an. Deshalb müssen wir Sorge Tra-gen zur Natur, zum Wasser, zur Luft, damit auch kommende Generationen davon profitieren.“ meinte Martha Bächler, Talammann Engelberg, anlässlich ihrer Begrüssungsrede. Dass dies dringend notwendig ist, wurde anhand der langen Liste von Notständen in unserer Welt aufgezeigt, die Galliker vorlegte: „Im Jahr 2050 werden rund 10 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Kön-nen wir genügend Nahrungsmittel produzieren? Gleichzeitig sinken bereits heute die Grundwasserspiegel in allen Kontinenten dramatisch. Aufgrund des Klimawandels sind Jahrhundertkatastrophen wohl alle 10 Jahre zu erwarten, um nur einige zu nennen.“

Neue Konzepte für Fortschritt

Ganz so apokalyptisch wollte Zukunftsforscher Georges T. Roos die be-schriebenen Warnsignale nicht deuten: „Sicher müssen wir ein Problembe-wusstsein entwickeln. Wir müssen aber auch die Chancen dieser Entwicklun-gen erkennen“. Er sei überzeugt, dass mit dem ökologischen Umbau der Wirtschaft neues Wirtschaftswachstum ausgelöst werden könne. Von einem Dilemma im Umgang mit neuen Technologien sprach Gerd Folkers, Pharma-cie-Wissenschafter der ETH Zürich. Als Beispiel nannte er die Gentechnik. Was im Food-Bereich kritisiert wird, rettet in der Medizin jeden Tag Men-schenleben: „Wir stehen vor einem Tsunami an Diabetes-Fällen, die Dank Gen-Technik behandelt werden können. Wir könnten auf natürlichem Wege gar nicht mehr so viel Insulin produzieren, wie zur Behandlung der heutigen Fälle nötig ist.“

Eine Frage des Masses

„In der Finanzwelt findet zurzeit eine Korrektur statt, eine Rückkehr in die rea-le Welt, und das ist auch gut so.“ meinte Karl Reichmuth, Privatbankier aus Luzern. Er erinnerte daran, dass die Wirtschaft 1976/77 einen Rückgang von 7 Prozent verzeichnete. Heute spreche man bereits von einem Rückgang, wenn die Wirtschaft 0,5 Prozent wachse. Dass der Staat nun korrigierend ein-greife, sei richtig. Längerfristig könne es aber zu einem Wachstumshemmer werden. Unternehmerin und Soziologin Doris Aebi forderte, dass das heutige Anreizsystem dringend geändert werden müsse. Sie sprach sich auch für die Vollkostenrechnung aus, relativierte aber: „In überregionalen Märkten muss es überregionale Lösungen geben, damit alle gleich lange Spiesse haben.“

Mehr Eigenverantwortung

Ethik und Moral im Umgang mit Wachstum sprach ein Zuhörer an, als er die Runde fragt, ob man sich überhaupt der Aufwärtsspirale entziehen könne? Aebi meinte, das sei wohl schwierig, da in uns allen der Homo Oeconomicus stecke. Die Diskussionsrunde war sich einig, dass alle wieder aktiver handeln müssen. Als Beispiel nannte Folkers den Umstand, dass man sich über über-volle Mailboxen ärgert. Aber nur „weil jeder seine E-Mails viel zu oft noch cc an die halbe Welt verschickt“. Dies verstopfe die Datenleitungen und benötige unnötig viel Energie. „Wir müssen zur Kultur der Eigenverantwortung zurück finden. Wir können nicht alles dem Staat oder der Politik überlassen“ forderte Reichmuth. Mit dem Schlussvotum der Moderatorin Dr. Martina Weiss endete die Diskussion: “Wir bewegen uns auf Bildungsinseln in einem Meer von Ni-cht-Wissen. Nun müssen wir zwischen den Inseln Brücken bauen, damit das Wissen vernetzt werden kann.“ Beim abschliessenden Apéro wurde denn auch bereits die erste Gelegenheit zur Vernetzung wahrgenommen.

Brückenschlag für die Wissenschaft

Grundlegende Erkenntnisse der Wissenschaft treffen in der breiten Bevölke-rung nicht selten auf starke Vorbehalte und Misstrauen. Die Academia Engel-berg (www.academia-engelberg.ch) leistet mit dem interdisziplinären Dialog ihren Beitrag dazu,  dass eine neue Basis des Vertrauens  zwischen Wissen-schaft und breiter Öffentlichkeit entsteht. Dazu treffen sich jährlich im Herbst Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft in Engelberg, Schweiz. Zu jeder Konferenz wird ein öffentlicher Abend organi-siert, der dem regionalen Publikum die Chance zum direkten Dialog ermög-licht.

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