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Die Wahrheitsindustrie oder die Macht der Medien Mit zehn provokativen Thesen entfachte Roger Köppel, Chefre-daktor der Weltwoche am Öffentlichen Abend der Academia En-gelberg eine intensive Diskussion. Insbesondere am Streitpunkt, welche Macht Medienschaffende haben, führte zu hitzigen Dis-kussionen.
10 provokative Thesen Roger Köppel leitete das Referat mit persönlichen Erinnerungen aus den 80-er Jahren, als er im Magazin des TagesAnzeigers tätig war, ein. Für ihn war besonders prägend, wie stark sich in einer Redaktion eine Gruppendynamik zu einem bestimmten Thema entwickeln kann � damals war es eine kritische Auseinandersetzung mit der Südafrika-Politik der Grossbanken. Diese Dynamik könne zu einer vorgefassten Meinungen führen, die dann den ganzen Entstehungsprozess eines Artikels bestimme. In seinen zehn Thesen sprach Roger Köppel von der Moralfalle, in die Journalisten rasch geraten. Als Beispiel nannte er Vorverurteilungen, die zum Beispiel der Gentechnologie oder Martin Ebner wiederfahren seien. Seiner Meinung nach unterschätzen Journalisten sehr oft ihr Publikum, was zu belehrenden Artikeln führe. Die Macht der Medien relativierte er, da das Publikum sehr wohl eine eigene Meinung habe. Er führte als Beispiel den Beitritt zur EU an, in dem die Medien nur positiv berichteten und trotzdem wurde er vom Stimmvolk abgelehnt. Zum Schluss rief er die Medien auf, die Leserschaft nicht für dumm verkaufen, denn diese merke sehr wohl, wenn sie über den Tisch gezogen werde. Medien und Personenkult Klaus Hug, Stiftungsratspräsident der Academia Engelberg und Moderator der Runde um Prof. Dr. Heinz Gutscher, Leiter Sozialpsychologie I, Uni Zürich, Landammann Hans Hofer, Prof. Dr. Klaus Ammann Direktor des Botanischen Gartens Bern und Roger Köppel, warf einige weitere Fragen auf. Beispielsweise wie stark das in den Vordergrund stellen von Personen noch getrieben werden könne. Heute spreche man vom Departement Leuenberger. Ob mit dieser Personalisierung nicht bewusst Auflagen gebolzt werde, obwohl Roger Köppel in seinen Thesen die Meinung vertrat, dass �Markt den Medien nicht schade und die Leserschaft sehr wohl Qualität zu schätzen wisse�. Dazu meldete sich aus dem Publikum Rolf Probala, ehemaliger Journalist und heutiger Mediensprecher der ETH Zürich, der meinte, dass Personen auch positiv auf die Meinungsbildung wirken können. Als Beispiel führte er Franz Steinegger an, der Dank seiner Reputation die Expo.02 � trotz Unkenrufen der Medien - zu einem Publikumserfolg führte. Engagierte Publikumsdiskussion Medienvertreter aus dem Publikum wie Philipp Löpfe, Chefredaktor TagesAnzeiger oder Robert Ruoff vom SF DRS wiedersprachen Roger Köppel in diversen Punkten vehement und verteidigten den kritischen Recherchierjournalismus. Die Leserschaft wünsche eine differenzierte Auseinandersetzung mit Themen und dazu gehöre, dass man Personen wie beispielsweise eines Martin Ebner genauer unter die Lupe nehme. Die Entwicklung habe ja bewiesen, dass dies nicht zu Unrecht geschehen sei. Landammann Hans Hofer wünschte sich allerdings eine bessere Trennung von Tatsache und Kommentar, was die Wahrnehmung eines Themas bedeutend vereinfachen würde. Ein Wissenschafter warf die Frage in die Runde, was Wissenschafter tun müssten, um ihre Themen besser �in die Medien bringen zu können�. Die Antwort gab Klaus Ammann, der dazu aufrief, nicht zur Fakten zu liefern, sondern auch Auswirkungen und Ethische Gedanken zu transportieren. Die Diskussion wurde am späten Abend geschlossen mit der Einladung an das Publikum, den Schlummertrunk für weitere angeregte Diskussionen zu nutzen. |