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Wissenschaftskongress feierlich eröffnet Was am Mittwoch Abend in Engelberg mit der feierlichen Eröffnung im Kloster Engelberg begann, fand heute Vormittag im Konferenz-Saal des Hotels seine Fortsetzung. Über 130 Wissenschafter und Wirtschaftsvertreter diskutieren engagiert zu Themen, die die Erste und Dritte Welt bewegen. �In den letzten 50 Jahren wurden im Kampf gegen die Armut grössere Erfolge erzielt, als insgesamt in den letzten vergangenen 500 Jahren�. Dieses - auf den ersten Blick beruhigende - Fazit im Kampf gegen die Ungleichheiten in der Welt zog Klaus Leisinger, Präsident der Novartis Stiftung für eine Nachhaltige Entwicklung. Doch nur, um dem gegenüber zu stellen, dass die entwicklungspolitische Bilanz gleichzeitig �ein Bild des Jammers� darstellt, gemessen an der Tatsache, dass die Hälfte der Menschen mit einem Tageseinkommen von zwei Dollar oder weniger auskommen muss. Und eine solche Welt ist, daran liess Leisinger keinen Zweifel aufkommen, �nicht in Ordnung�. Die globale Misere Mit seinen Ausführungen machte der Basler Professor für Entwicklungssoziologie eine Auslegeordnung der globalen Misere, die Thema ist an der ersten Engelberger Wissenschaftskonferenz �Von globalen Ungleichheiten zu einer humanen Welt�. Und er liess es nicht bei der akribischen Aufzählung der Ungerechtigkeiten bewenden, sondern zeigte Wege auf, die aus der Not rausführen könnten. Laut Leisinger sind in fast allen Ländern, die auf niedrigem wirtschaftlichem und sozialen Niveau stagnieren die politischen Verantwortungsträger Teil des Problems. Sie gilt es, in die Verantwortung zu ziehen gemäss den Regeln der �Good Governance�, wie sie von der Weltbank zu Beginn der Neunzigerjahre definiert wurden. Nur wer transparent regiert, die Bevölkerung teilhaben lässt und den Vorrang des Rechts anerkennt, schafft Voraussetzungen für eine Entwicklung, die sich nicht gegen die Armen richtet. Humanistische Grundwerte gefordert Ebenso sehr setzt Leisinger auf das Entwicklungspotenzial der Wissenschaft: �Bio- und Gentechnologie haben in den letzten zehn Jahren immense Fortschritte gemacht und lassen völlig neue Lösungen für Probleme in der Landwirtschaft, der menschlichen Gesundheit und Umwelt zu�. Doch der Professor blieb nicht an der Oberfläche der Technik, sondern forderte nichts weniger als �eine Rückbesinnung auf humanistische Grundwerte�. Es sei �kafkaesk� im Norden täglich eine Milliarde für die Subventionierung der Landwirtschaft auszugeben und damit den Märkten für Konkurrenzprodukte in Entwicklungsländern �den Boden unter den Füssen wegzuziehen.� Eindringlich verlangte er mehr internationale Solidarität und menschliche Verantwortung. Kommunikation und Transparenz Nach solchen grundsätzlichen Überlegungen zog Klaus Leisinger im Rahmen des ersten Diskursthemas �Wissenschaft und öffentliches Vertrauen� die Wissenschaftler zur Verantwortung. Um dem oft festgestellten latenten Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber der Wissenschaft zu begegnen, forderte er die Wissenschaftler auf, nur Forschung zu betreiben, die hohen ethischen Standards genüge und die Bedeutung der Kommunikation mit den Menschen ausserhalb des eigenen Fachgebiets nicht zu unterschätzen. Diese müsse �herrschaftsfrei� und in einer verständlichen Sprache erfolgen. Runder Tisch gefordert Wie ein solcher Diskurs in der Praxis aussehen könnte, legte der ehemalige Greepeace-Gründer Patrick Moore in seinen Ausführungen zum zweiten Diskursthema �Der Ruf nach besserer Verständigung durch Partizipation� dar. Der Kanadier propagierte die Methode des �Runden Tisches�, wo Opponenten unter der Leitung eines Mediators Lösungsansätze für ein Problem entwickeln, ohne zwingend zu einer einheitlichen Meinung zu kommen. Rechtliche Massnahmen gefordert Schliesslich zeigte der in Amerika lebende Schweizer Anatole Krattiger, Präsident des auf Biotechnologietransfer spezialisierten BioDevelopments International Institut, im Referat zum dritten Diskursthema �Auf der Suche nach gemeinsamen Zielen unter Opponenten: Das Beispiel des geistigen Eigentums� auf, wie die wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen geschützt werden können bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Bedürfnisse der Entwicklungsländer. Nämlich indem der Transfer von neuen Techniken gefördert wird und rechtliche Massnahmen entwickelt werden, um lokale Ressourcen wie Pflanzen vor Zugang Dritter zu schützen. |