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Zeit umzudenken! "Wir leben von beschränkten Ressourcen und verschleudern die Energie der künftigen Generation." Diese Einschätzung von Eduard Kiener, ehemaliger Direktor Bundesamt für Energie, verfolgten rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Öffentlichen Abend der Academia Engelberg in Engelberg von vergangenem Montag. "Die Schweiz ist von einem Stromexport zu einem Stromimport-Land geworden. Im Jahr 2005 verbrauchten wir fünf Mal mehr Energie als im Jahr 1950 und bis 2030 wird nochmals mit einer Verdoppelung des Energiebedarfs in der Schweiz gerechnet." Im Wissen, dass die Ressourcen nicht ewig reichen, sei es unabdingbar, dass das Wirtschaftswachstum mit weniger Energieverbrauch gekoppelt sei. Eduard Kiener warnte vor der Unterschätzung des Energieproblems, bloss weil es in den nächsten Jahren noch genügend Öl- und Gasvorkommen (Fossile Energien) habe: "Wir müssen jetzt handeln". Intensivierung der Intelligenz "Hat Wirtschaftswachstum automatische höheren Energieverbrauch zur Folge" diese Frage stellte die Moderatorin Ellinor von Kauffungen den Podiums-teilnehmerinnen. Ständerätin Helen Leumann meinte, dass dies in der Regel die Konsequenz sei. Dieser Aussage widersprach Kurt Spillmann, ehemaliger Leiter ETH-Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse (FSK), und nannte als Beispiel Japan. Dieses Land habe in den 80-er Jahren entschieden, dass energie-intensive Produktionen in anderen Ländern besser aufgehoben sei und sich auf die Entwicklung neuer Technologien konzentriert. Ernst von Weizsäcker, Physiker, Biologe und international anerkannter Umweltwissenschafter meinte, dass es für ein Umdenken sowohl Push- als auch Pull-Faktoren brauche. "Wir müssen die technische Begeisterung für neue Sparmassnahmen entwickeln." Als Beispiel nannte er eine neue Energiespar-lampe mit ansprechendem Design, die aber im Vergleich zu den heutigen Sparlampen nur einen achtel an Energie benötige. "Gleichzeitig muss Energie massiv teurer werden. Es braucht ein Umdenken auf allen Ebenen, damit neue Horizonte entdeckt werden können." Anreize schaffen Der Tagesbedarf an Energie auf der Welt ist enorm. Er entspricht einem vol-len Tankzug von Hamburg nach Sizilien. "Wo liegt das Sparpotential?" fragte die Moderatorin die Runde. Kurt Spillmann plädierte für eine Abkehr vom Appell zur Freiwilligkeit, "das funktioniert in der westlichen Welt nicht. Einsparungen werden nur dort erzielt, wo Vorschriften oder ordnungspolitische Massnahmen erlassen werden". Als Beispiel nannte er den Hausbau, wo dank griffigerer Bauvorschriften Energie effizient eingespart werden könne. Der Nutz-losigkeit dieses Appells widersprach ein Votant aus dem Publikum vehement: "Es gibt immer wieder Pioniere, die Projekte unterstützen, die scheinbar noch nicht ausgereift sind." Laut einer Studie der ETH Zürich seien bis zu 15 Prozent der Bevölkerung bereit, in etwas zu investieren, das technisch noch nicht voll ausgereift sei. Sein Votum an alle: "Wir können nicht zurück lehnen und auf die technische Entwicklung warten." Geopolitische Aussichten Sorge bereitet Spillmann das Vorgehen der USA. Im Kampf gegen den Terro-rismus bleibe der Dialog auf der Strecke. "Man kann nicht mit Waffengewalt den Energiezugang sichern. Tragisches Beispiel dieser verfehlten Politik ist der Irak. Das Land ist komplett destabilisiert, die Energieförderung ist dramatisch gesunken." Dass wir im Jahr 2030 unser Energiebedarf mit einem Energie-Mix decken können, sei absehbar. Die Frage stelle sich nur nach der Zusammensetzung und dem Preis, den wir dafür bezahlen müssten, war sich die Runde einig. Welche Rolle Öl und Gas spielen werden, hänge von der geopolitischen Situation im Nahen und Mittleren Osten ab. "Diese Unsicherheit sollte uns ermuntern, mehr in die Forschung neuer Technologien und in alternative Energien zu investieren", meinte Spillmann. "Wir wissen eigentlich schon seit 20 Jahren, dass es mit den Energie-Vorräten zur Neige geht "aber der Leidensdruck fehlt" brachte Dieter Imboden, Präsident Schweiz. Nationalfonds, die Problematik auf den Punkt. Brückenschlag für die Wissenschaft Grundlegende Erkenntnisse der Wissenschaft treffen in der breiten Bevölkerung nicht selten auf starke Vorbehalte und Misstrauen. Die Academia Engelberg (www.academia-engelberg.ch) leistet ihren Beitrag dazu, dass durch den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit eine neue Basis des Vertrauens entsteht. Dazu treffen sich jährlich im Herbst Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Politik aber auch Medienschaffende in Engelberg, Schweiz. |